Buchcover: Dein Darm. Dein Schicksal.
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Dein Darm. Dein Schicksal.

Eine Spurensuche durch Mikrobiom, Immunsystem und Gehirn

Lesen Sie hier die vollständige Einleitung — kostenlos und in wenigen Minuten. Erfahren Sie, warum dieses Buch entstanden ist und weshalb Ihr Darm möglicherweise mehr über Ihre Gesundheit entscheidet, als Sie bisher vermutet haben.

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Einleitung

Es war ein warmer Sommertag im Frankfurter Grüneburgpark.

Vor mir standen fünf attraktive, sportbegeisterte Frauen, alle ungefähr Anfang bis Mitte zwanzig. Eine von ihnen kannte ich bereits. Wir hatten schon einige Male zusammen trainiert, und an diesem Tag hatte sie gefragt, ob sie ein paar Freundinnen mitbringen dürfe.

Ich war jung, Single und ehrlich gesagt neugierig, welche neuen Gesichter gleich vor mir stehen würden.

Vielleicht würde daraus ein Date entstehen. Vielleicht neue Freundschaften. Vielleicht auch die eine oder andere neue Klientin.

Ich hatte also nichts dagegen.

Im Gegenteil.

Ich freute mich auf unsere Trainingseinheit.

Die Sonne schien, es war warm. Menschen lagen auf der Wiese, irgendwo lief ein entspannter House-Beat.

Ich trug ein weißes Shirt. Extrem eng, leicht transparent. Dazu eine kurze schwarze Adidas-Hose, schwarze Nike-Schuhe und kurze Socken bis zu den Knöcheln.

Ich arbeitete damals bereits seit einigen Jahren als Personal Trainer.

Gruppen anzuleiten, Übungen vorzuführen und gleichzeitig auf Haltung, Atmung und Bewegungsausführung zu achten, gehörte für mich zum Alltag.

Ich war nie einer dieser Trainer, die nur danebenstehen und reden.

Wann immer es möglich war, führte ich eine Übung selbst vor.

Und wenn wir schon ehrlich sind: Vor diesen fünf Frauen wollte ich natürlich besonders gut rüberkommen.

Okay, sitzen die Haare? Perfekt. Passt.

Zeig dich mehr von links. Von links siehst du besser aus.

Ich schaute kurz an mir herunter.

Bauch anspannen. Perfekt. Jetzt sieht man die Bauchmuskeln sogar durch das Shirt.

Den Bizeps auch noch ein bisschen aufpumpen. Aber nicht zu auffällig.

Ich schaute mich kurz um.

Zum Glück keine Spinner hier, die die Frauen anstarren oder gleich irgendeinen dummen Spruch bringen.

Ich liebe Frankfurt.

Aber der eine oder andere Assi ist fast Standard hier.

Das ist halt Frankfurt.

Dann legte ich mich für eine Bauchmuskelübung auf den Rücken.

Die Beine angehoben, Hüfte und Knie ungefähr im rechten Winkel.

Ich drückte meine Handflächen gegen die Knie und gleichzeitig die Knie gegen die Hände.

Der Bauch spannte sich mit voller Kraft an.

Die Frauen standen und knieten um mich herum. Alle schauten auf mich. Alle hörten zu.

Ich erklärte, wo sie die Spannung spüren sollten, wie der Rücken liegen musste und warum sie trotz der Anstrengung weiteratmen sollten.

Ich war komplett in meinem Element.

Und natürlich wollte ich besonders souverän wirken.

Ich spannte den Bauch noch einmal richtig an.

Für einen Moment nahm ich um mich herum kaum noch etwas wahr.

Die Menschen auf der Wiese, den House-Beat – alles rückte in den Hintergrund. In meinem Kopf gab es nur noch die fünf Frauen, die Übung und mich.

Dann kam dieses Geräusch.

Ich furzte.

Laut.

So laut, dass selbst die Vögel kurz Pause machten und irritiert in meine Richtung schauten.

Meine Augenbrauen gingen hoch. Mein Blick kurz nach oben.

Oh, oh.

Ich machte für einen Moment die Augen zu.

Mierda.

Dann wieder auf. Ein leichtes Lächeln, ein kleines Kopfschütteln.

Okay. Das war jetzt echt mies.

Es gab keine glaubwürdige Ausrede.

Keine Chance.

Es klang weder so, als wäre ich auf etwas getreten, noch so, als wäre irgendwo ein Motorrad vorbeigefahren.

Jedem war klar, woher dieses Geräusch gekommen war.

Für einen Moment sagte niemand etwas.

Dann begann eine der Frauen zu lachen. Eine zweite versuchte noch, sich zusammenzureißen.

Das ging nicht lange gut.

Wenige Sekunden später lachten alle.

Ich ebenfalls.

Was hätte ich auch sonst machen sollen?

Vielleicht hatte ich meinen Bauch einfach zu stark angespannt.

Vielleicht war ich nervöser gewesen, als ich es mir eingestehen wollte.

Vielleicht war es einfach Pech.

Ganz sicher war nur: Ich wollte vor diesen Frauen besonders souverän auftreten, und mein Körper hatte mir innerhalb einer Sekunde gezeigt, wie begrenzt unsere Kontrolle manchmal ist.

Damals brachte mein Körper fünf Frauen zum Lachen.

Einige Jahre später saß ich wegen desselben Körpers nachts in der Notaufnahme einer Universitätsklinik.

Diesmal war nichts lustig.

Mein Hals fühlte sich seltsam an.

Enger als sonst.

Ich wusste nicht, was dahintersteckte und wie sich die Sache entwickeln würde.

Also wartete ich.

Wie lange noch?

Keine Ahnung.

Ich schaute auf die anderen Patienten, dann auf mein Handy. Meine Frau schlief zu Hause.

Die muss einen verdammt anstrengenden Tag gehabt haben.

Ich war schon eine ganze Weile weg und sie hatte noch nichts bemerkt.

Die schläft ja wie ein Stein.

Für einen kurzen Moment musste ich darüber grinsen.

Dann wieder Krankenhaus. Blutabnahme, Blutdruck, Sauerstoffsättigung – und danach vor allem warten. Und noch mehr warten. Ich hoffte auf Antworten.

Irgendwann kam eine Ärztin herein.

Sie schaute auf meine Ergebnisse.

Dann auf mich.

Für einen kurzen Moment wirkte ihr Gesicht wie eingefroren.

Ich konnte nicht erkennen, ob sie besorgt war, müde von ihrer vermutlich langen Schicht oder einfach nur nachdachte.

Dann sagte sie zunächst gar nichts.

Es waren wahrscheinlich nur ein paar Sekunden.

Aber in diesen Sekunden dachte ich: Verdammt.

Das wird jetzt wahrscheinlich nicht gut enden.

Dann sagte sie sinngemäß: „Wir sehen etwas. Um mehr sagen zu können, müssten wir weitere Untersuchungen machen. Dafür ist die Notaufnahme aber nicht der richtige Ort.“

Ich nickte.

Stellte meine Fragen.

Versuchte zu verstehen, was sie meinte.

Und genau da hatte sich meine Rolle komplett verändert.

Ich war nicht mehr der Trainer, der anderen erklärte, wie der Körper funktioniert.

Ich war der Patient, der auf Antworten hoffte.

Und keine bekam.

Später saß ich draußen auf einem großen Stein auf dem Parkplatz vor meinem Auto.

Meine Hände waren feucht und zitterten leicht.

Ich war wütend.

Nicht nur auf das System.

Vor allem auf diese verdammte Hilflosigkeit.

Unter Druck funktionierte mein Kopf normalerweise. Ich konnte analysieren, Entscheidungen treffen, Probleme lösen.

Diesmal half mir das überhaupt nichts.

Ich schaute auf meinen eigenen Körper und dachte: Den hast du nicht im Griff.

Der spielt verrückt und du kannst gerade nichts dagegen machen.

Genau das machte mich so wütend.

Ich hatte auf Antworten gehofft.

Stattdessen häuften sich die Fragen.

Was war das?

Warum passierte es?

Wie gefährlich war es?

Und was sollte ich jetzt damit anfangen?

Ich saß noch eine Weile auf diesem Stein.

Dann kam irgendwann der Punkt, an dem ich mich selbst nicht mehr hören wollte.

Jetzt hör auf mit dem Rumgeheule.

Was änderst du damit?

Nichts. Rein gar nichts.

Mach das, was du machen kannst.

Mehr kannst du gerade nicht machen. Alles andere wird sich zeigen.

Und dann kam wieder dieser Gedanke: Du bist ein Kämpfer. Also kämpf auch.

Das bedeutete nicht, irgendeine Krankheit mit Willenskraft besiegen zu können.

Es bedeutete etwas viel Einfacheres: Klar bleiben.

Weiterfragen.

Handeln, wenn ich etwas tun konnte.

Und akzeptieren, dass ich nicht alles kontrollieren kann.

Weitere Tests folgten: Biopsien, Antikörper, Entzündungsmarker.

Neue Kliniken, neue Ärzte und entsprechend neue Vermutungen.

Und immer wieder Varianten desselben Satzes: „Wir sehen etwas. Wir wissen nur noch nicht genau, was.“

Vor jeder neuen Untersuchung versuchte ich, mich wieder zu motivieren. Doch mit jeder weiteren offenen Frage wurde es schwerer, diesen Optimismus aufrechtzuerhalten. Irgendwann kratzte das nicht mehr nur an meinem Willen, weiterzusuchen, sondern auch an meiner Substanz.

Die Ungewissheit war wie ein Gast, der eigentlich nur eine Nacht bleiben wollte – und dann so tat, als würde er einziehen.

Manchmal schlich ich mich heimlich aus dem Haus und fuhr allein in die Notaufnahme.

Nicht weil ich meine Familie täuschen wollte.

Und ganz sicher nicht, weil ich Aufmerksamkeit suchte.

Aufmerksamkeit war das Letzte, was ich in diesen Situationen wollte.

Ich war genervt davon, schon wieder sagen zu müssen, dass mein Körper verrücktspielte. Gleichzeitig wollte ich nicht riskieren, dass zu Hause etwas Schlimmeres passierte.

Ich wusste nie, wie lange ein Ausbruch dauern würde, wo er diesmal auftreten würde und wie heftig er werden könnte.

Manchmal schwollen meine Hände oder Füße an.

Manchmal meine Lippen.

Manchmal mein Zahnfleisch.

Manchmal mein Hals oder andere Körperstellen.

Einige Schwellungen sahen so absurd aus, dass ich selbst darüber lachen musste.

Und gleichzeitig war mir überhaupt nicht zum Lachen.

Denn hinter jedem neuen Ausbruch stand dieselbe Frage: Wie schlimm wird es diesmal?

Einige dieser Nächte endeten in der Notaufnahme.

Und eine davon endete anders.

Mir wurde Blut abgenommen. Es wurden Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse kamen zurück.

Ärzte sprachen miteinander.

Dann fiel eine Entscheidung: Intensivstation.

Meine Frau war hochschwanger.

Unser älterer Sohn war noch klein.

Und plötzlich war der ganze Mist, über den man sich sonst den Kopf zerbricht, vollkommen bedeutungslos.

Es gab nur noch einen Gedanken, den ich nicht haben wollte: Vielleicht lernst du deinen zweiten Sohn nicht mehr kennen.

Was in dieser Nacht genau passierte, erzähle ich später.

Diese Geschichte verdient mehr Platz als ein paar Sätze in einer Einleitung.

Nur eines vorweg: Ich kam wieder heraus.

Eine vollständige Erklärung bekam ich trotzdem nicht.

Und genau hier muss ich sauber trennen.

Ich habe Vitiligo.

Bei dieser Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene pigmentbildende Zellen. Ich kann die Folgen davon jeden Tag im Spiegel sehen.

Das ist keine Vermutung.

Mein Immunsystem hat nachweislich gezeigt, dass es körpereigene Strukturen angreifen kann.

Was hinter meinen wiederkehrenden Schwellungen, der Nesselsucht und den Reaktionen im Hals steckt, ist dagegen bis heute nicht abschließend geklärt.

Vielleicht gehört alles zusammen.

Vielleicht auch nicht.

Ich weiß es nicht.

Und ich möchte keine Sicherheit vortäuschen, wo es bisher keine gibt.

Ich war mehrfach stationär im Krankenhaus.

Wurde untersucht.

Behandelt.

Entlassen.

Später erneut untersucht.

Irgendwann kam ich mir vor wie in einem schlechten Film, der immer wieder dieselbe Szene abspielt: Krankenhaus.

Untersuchungen.

Behandlung.

Entlassung.

Eine Weile Ruhe.

Und dann geht der Mist wieder von vorne los.

Das Verrückte ist, woran ein Mensch sich gewöhnen kann.

Irgendwann wurde es für mich beinahe normal, regelmäßig in einer Notaufnahme zu sitzen und nicht zu wissen, ob mein eigener Körper diesmal wieder zur Ruhe kommen würde.

Man kann sich sogar an Dinge gewöhnen, die niemals normal sein sollten.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Gesundheit, Ernährung und Leistungsfähigkeit.

Ich habe Menschen trainiert, beraten und dabei unterstützt, beweglicher zu werden, Schmerzen zu reduzieren und Ziele zu erreichen, die sie selbst bereits aufgegeben hatten.

Ich habe erlebt, wie Menschen wieder Vertrauen in ihren Körper fanden.

Ich habe unterschiedliche Ernährungsformen selbst ausprobiert: vegetarisch, vegan, kohlenhydratarm, ketogen.

Und zeitweise auch Varianten, bei denen ich heute sagen würde: Das war vielleicht nicht meine cleverste Idee.

Ich beschäftige mich mit Krankheitsbildern und suche nach Verbindungen zwischen Ernährung, Atmung, Stress, Schlaf, Bewegung, Hormonen, Nervensystem und Immunsystem.

Ich bin jemand, der stundenlang vor einem Schachbrett sitzen kann, weil er den richtigen Zug finden will.

Genauso schaue ich auf den menschlichen Körper.

Ich sehe nicht nur eine Figur. Mich interessiert, was danebensteht.

Was vorher passiert ist. Was sich gleichzeitig verändert hat.

Wenn ich hier etwas bewege, was passiert dort?

Welche Reaktion beeinflusst möglicherweise die nächste?

Und welcher Zug verbessert die Position – oder macht alles noch komplizierter?

Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied.

Beim Schach weiß ich, welche Figuren auf dem Brett stehen.

Bei meinem eigenen Körper weiß ich das bis heute nicht vollständig.

Ich kenne deshalb beide Seiten.

Die des Trainers, der vor einem Menschen steht und nach einer Lösung sucht.

Und die des Patienten, der vor einem Arzt sitzt und hofft, dass endlich jemand die richtige Frage stellt.

Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, weil ich alle Antworten kenne.

Ich habe es geschrieben, weil ich die Frage lebe.

Und je länger ich nach möglichen Zusammenhängen suchte, desto häufiger tauchten dieselben Systeme auf: Immunsystem, Infektionen, Entzündung, Ernährung, Medikamente, Stress und Nervensystem.

Und erstaunlich häufig landete ich irgendwann wieder bei einem Organ, das wir im Alltag meistens erst bemerken, wenn es Ärger macht.

Dem Darm.

Damit behaupte ich nicht, dass meine Beschwerden nachweislich dort entstanden sind.

Das weiß ich nicht.

Und wenn Ihnen jemand bei einer ungeklärten medizinischen Geschichte nach fünf Minuten genau diese Sicherheit verkauft, wäre ich vorsichtig.

Aber irgendwann musste ich mir eine andere Frage stellen.

Ich weiß, dass mein Immunsystem bereits gegen meinen eigenen Körper arbeitet.

Ich weiß, dass meine Schwellungen auffällig häufig in zeitlicher Nähe zu Infekten auftreten.

Und ich weiß, dass Darm, Schleimhäute, Mikroorganismen und Immunsystem biologisch eng miteinander verbunden sind.

Beweist das, dass meine Geschichte dort beginnt?

Nein.

Aber kann man wirklich jeden dieser Punkte einzeln betrachten und sagen: Hat miteinander nichts zu tun?

Genau das wollte ich wissen.

Und genau diese Frage zieht sich durch dieses Buch.

Ich werde Ihnen nicht sagen, welche Meinung Sie am Ende haben sollen.

Ich werde Ihnen zeigen, was wir wissen.

Was wir vermuten.

Wo Forschung Zusammenhänge findet.

Und wo auch ich nur sagen kann: Ich weiß es nicht.

Sie bekommen die Puzzleteile.

Ihr Urteil bilden Sie selbst.

Das Problem

Für manche Menschen beginnt jeder Ausflug mit derselben Frage: Wo ist die nächste Toilette?

Andere kämpfen mit Erschöpfung, Hautproblemen, diffusen Schmerzen, Schlafstörungen, Völlegefühl oder Beschwerden, die sich nicht wirklich erklären lassen.

Und viele hören irgendwann denselben Satz: „Das wird wahrscheinlich Stress sein.“

Vielleicht kennen Sie ihn.

Vielleicht haben Sie ihn so häufig gehört, dass Sie aufgehört haben, weitere Fragen zu stellen.

Vielleicht denken Sie inzwischen: Mein Körper ist eben so.

Ich bin besonders empfindlich.

Damit muss ich leben.

Man findet nichts, also wird schon nichts sein.

Doch ein fehlender Befund bedeutet nicht automatisch, dass es keine Ursache gibt.

Manchmal bedeutet er lediglich: Diese Untersuchung hat keine eindeutige Erklärung geliefert.

Das Reizdarmsyndrom gehört heute zu den Störungen der Darm-Hirn-Interaktion. Untersucht werden unter anderem Veränderungen der Schmerzverarbeitung, der Darmbewegung, der Darm-Hirn-Kommunikation, immunologische Prozesse und das Mikrobiom.

Stress kann dabei eine Rolle spielen.

Aber Stress ist keine Universalantwort.

Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Autoimmunerkrankungen untersucht die Forschung komplexe Wechselwirkungen zwischen Genetik, Infektionen, Medikamenten, Umwelt, Lebensweise, Immunregulation und Mikrobiom.

Das bedeutet nicht: Der Darm ist an allem schuld.

Es bedeutet etwas anderes.

Unser Körper funktioniert nicht in den Schubladen, in die wir ihn manchmal stecken.

Der Darm weiß nicht, dass Sie beim Gastroenterologen sitzen.

Das Immunsystem weiß nicht, dass Sie nächste Woche einen Termin beim Hautarzt haben.

Und das Nervensystem wartet nicht darauf, bis der Psychologe zuständig ist.

Der Körper kennt diese Grenzen nicht.

Und manchmal lohnt es sich deshalb, die Einzelteile wieder auf einen Tisch zu legen und zu fragen: Was könnte hier miteinander zusammenhängen?

Über viele dieser Dinge sprechen wir trotzdem erstaunlich wenig.

Zu peinlich.

Zu persönlich.

Zu unappetitlich.

Wir sprechen problemlos über Rückenschmerzen, Blutdruck, Cholesterin, Verspannungen oder Schlafprobleme.

Aber deutlich weniger darüber, wie oft jemand zur Toilette muss.

Wie aufgebläht sich ein Bauch anfühlt.

Wie sehr ein Mensch sein Leben irgendwann um seine Verdauung herum plant.

Oder wie viel Angst ein Körper auslösen kann, der plötzlich macht, was er will.

Dieses Buch schaut genau dort hin.

Es verschönert nichts.

Und es spricht über Dinge, über die wir sonst lieber nicht sprechen.

Was Sie hier finden werden

Keine sanften Phrasen.

Keine Heilsversprechen.

Keine Schuldzuweisungen.

Und keine Antworten, die ich selbst noch nicht habe.

Sie werden in diesem Buch keinen Ernährungsplan finden, der behauptet, für jeden Menschen gleichermaßen zu funktionieren.

Kein Lebensmittel ist automatisch für jeden gut.

Keine Ernährungsform ist automatisch für jeden die richtige.

Und kein Nahrungsergänzungsmittel ersetzt eine vernünftige Diagnostik.

Was Sie hier finden werden, ist der Versuch, Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Wie Ihr Darm mit Ihrem Gehirn kommuniziert.

Wie Billionen Mikroorganismen Teil eines Ökosystems sind, das mit Ihrem Körper interagiert.

Warum Ihre Darmbarriere darüber mitentscheidet, was mit Ihrem Inneren in Kontakt kommt.

Welche Rolle Ernährung, Stress, Schlaf, Medikamente, Hormone und das Immunsystem dabei spielen können.

Und was davon für Ihr eigenes Leben überhaupt relevant ist.

Manche Dinge in diesem Buch werden Sie überraschen.

Andere vielleicht ärgern.

Einige werden Sie möglicherweise an Situationen aus Ihrem eigenen Leben erinnern, die Sie bisher nie miteinander verbunden haben.

An eine Mahlzeit, nach der Sie regelmäßig erschöpft waren.

An einen Infekt, nach dem Ihr Körper plötzlich anders reagierte.

An ein Medikament, nach dem sich Ihre Verdauung veränderte.

An eine Phase, in der Ihre Haut verrücktspielte.

Oder an einen Arzttermin, nach dem Sie mit mehr Fragen nach Hause gingen, als Sie vorher hatten.

Machen Sie daraus nicht sofort eine Diagnose.

Aber werfen Sie die Beobachtung auch nicht automatisch weg.

Schauen Sie hin.

Was wiederholt sich?

Was verändert sich?

Was trat vorher auf?

Was trat gleichzeitig auf?

Was können Sie beeinflussen?

Was gehört medizinisch abgeklärt?

Und was ist vielleicht einfach noch offen?

Genau daraus wird später das Hufnagel-System entstehen.

Kein Selbstdiagnosewerkzeug und kein Test, der Ihnen erklärt, welche Krankheit Sie angeblich haben.

Sondern eine Möglichkeit, Ordnung in Beobachtungen zu bringen.

Denn ein Muster ist kein Beweis.

Aber ein Muster, das sich immer wieder zeigt, ist auch nicht automatisch bedeutungslos.

Ihr Körper ist nicht Ihr Gegner.

Auch dann nicht, wenn er sich manchmal genau so anfühlt.

Nicht jedes Signal ist gefährlich.

Aber wiederkehrende Signale verdienen Aufmerksamkeit.

Ihr Darm begleitet Sie seit dem ersten Tag Ihres Lebens. Er reagiert auf Nahrung, Medikamente, Infektionen, Stress und viele weitere Bedingungen. Er kommuniziert mit Nerven und Immunzellen und beherbergt eine mikrobielle Welt, deren Bedeutung wir erst seit vergleichsweise kurzer Zeit wirklich zu verstehen beginnen.

Die meisten Menschen beschäftigen sich erst mit ihm, wenn etwas nicht mehr funktioniert.

Ich gehörte lange dazu.

Dieses Buch ist mein Versuch, Ihnen das Wissen zu vermitteln, das ich selbst viel früher gebraucht hätte.

Nicht damit Sie hinter jedem Furz sofort eine Krankheit vermuten.

Damit kennen wir uns jetzt schließlich aus.

Sondern damit Sie unterscheiden lernen.

Zwischen einem belanglosen Ereignis und einem wiederkehrenden Muster.

Zwischen einer Beobachtung und einer Diagnose.

Zwischen einer spannenden Hypothese und einer belegten Tatsache.

Mein Körper hat mich irgendwann gezwungen, genauer hinzusehen.

Vielleicht muss Ihrer nicht erst so laut werden.

Die Frage dieses Buches lautet deshalb nicht: Ist der Darm an allem schuld?

Ganz sicher nicht.

Ich werde Ihnen zeigen, was wir wissen.

Was wir vermuten.

Und wo wir ehrlich sagen müssen: Wir wissen es noch nicht.

Denn seit Jahren lässt mich eine Frage nicht los: Wie viel davon ist Zufall – und wie viel gehört vielleicht doch zusammen?

Genau das will ich mit Ihnen herausfinden. Also schauen wir uns die Spuren an.

Hat Ihnen die Einleitung gefallen?

Hier geht es zum kompletten Buch — mit allen 13 Kapiteln über Mikrobiom, Darm-Hirn-Achse, Erkrankungen und konkreten Strategien für den Alltag.

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